Rede des Bundespräsidenten (Museum für Kommunikation/Berlin, 31.März 2015) zur Eröffnung der Ausstellung DIALOG MIT DER ZEIT:

Ausschnitte daraus:

„Was also ist zu tun? Die erste Konsequenz muss heißen: Beim demographischen Wandel geht es nicht allein um die gewonnenen Jahre und die Belange älterer Menschen. Altern beginnt bei der Geburt. Wir müssen das verlängerte Leben insgesamt in den Blick nehmen. Und wir müssen die Lebenszeit neu strukturieren. Wir brauchen neue Muster für lange Lebensläufe, neue Verflechtungen von Lernen, Arbeit und Privatem.“

„Eine der wichtigsten Botschaften des demographischen Wandels heißt doch: Wir gewinnen Lebenszeit. Es geht darum, diese Zeit sinnvoll zu nutzen und zu verteilen.“

„Das beginnt schon mit der Benennung dieser Abschnitte. Irreführende, jedenfalls sehr einseitige Assoziationen weckt zum Beispiel das Wort „“Ruhestand““. Für Mediziner beschreibt Ruhestand das genaue Gegenteil von dem, was sie uns für das Alter empfehlen: Aktivität, körperlich wie mental. Wer möglichst gesund altern will, der soll beweglich bleiben, Routinen abstreifen, Neues wagen. Wo existieren denn noch die klassischen Bilder von Pantoffeln und „“verdienter Ruhe““ und Gemütlichkeit? Sie funktionieren nicht in einer Gesellschaft, in der es nicht mehr um die „“letzten Jahre““, sondern oft um Jahrzehnte geht, die nach dem Renteneintritt folgen.“

„Das beginnt schon mit der Benennung dieser Abschnitte. Irreführende, jedenfalls sehr einseitige Assoziationen weckt zum Beispiel das Wort „“Ruhestand““. Für Mediziner beschreibt Ruhestand das genaue Gegenteil von dem, was sie uns für das Alter empfehlen: Aktivität, körperlich wie mental. Wer möglichst gesund altern will, der soll beweglich bleiben, Routinen abstreifen, Neues wagen. Wo existieren denn noch die klassischen Bilder von Pantoffeln und „“verdienter Ruhe““ und Gemütlichkeit? Sie funktionieren nicht in einer Gesellschaft, in der es nicht mehr um die „“letzten Jahre““, sondern oft um Jahrzehnte geht, die nach dem Renteneintritt folgen. Das neue Alter entsteht vor unseren Augen, aber in Umfragen zeigen viele Menschen immer noch die Neigung, ihre Erwartungen an das Älterwerden an den eigenen Großeltern zu orientieren.“

„Mentalitätswandel braucht Zeit, und er verläuft nicht immer geradlinig. Die Werbebranche zeichnet ein anderes, aber aus naheliegenden Gründen ebenfalls einseitiges Bild: Die fitten und fröhlichen Alten, so genannte Best Ager, erobern die Welt wie einen großen Vergnügungspark, mit Elektrofahrrad oder Yogamatte. Es fehlt eine ausgewogene Vorstellung davon, dass ältere Menschen nicht nur Konsumenten, sondern auch Produzenten in unserer Gesellschaft sein können – und sein wollen! Es fehlt der Gedanke, dass es den meisten ein großes Bedürfnis ist, gebraucht zu werden, tätig zu sein, etwas beizutragen. Kurz, es fehlen die unzähligen Erfahrungen derer, die im vorgerückten Alter erfüllenden Aktivitäten nachgehen. Alter bietet die Freiheit, genau das zu tun! Familien, Nachbarschaften und Ehrenämter können von dieser Freiheit profitieren, und sie tun es bereits in großer Zahl. Warum nicht auch unsere Unternehmen?“