(aus: Der Tagesspiegel)

„Alte Menschen machen ein Viertel der Bevölkerung aus. Längst werden sie von der Werbebranche als Konsumentengruppe angesprochen. Aber in den deutschen Medien kommen Rentner kaum vor. Wenn doch, dann als Problemfälle, deren Pflege zu viel kostet und menschenunwürdig sei. Warum ist das so? Eine neue Studie sucht Antworten.

Die Alten auf den Ruhebänken im Park, Tauben fütternd und versonnen in den Sonnenuntergang blickend; die Alten hinterm Kachelofen, die Tabakspfeife stopfend; die Alten mit Gehstöcken und kleinen Schritten über die Bürgersteige schlurfend; die Alten aus zahnlosen Mündern mit den Enkelkindern lachend.

Es sind Bilder aus längst vergangenen Tagen, Klischees von gestern, die die heutige Wirklichkeit oft nicht mehr beschreiben. Neben diesen Altersstereotypen stehen deshalb ganz andere, aktuellere: Die Alten, die trotz Falten und Furchen geradezu ein Inbegriff an Vitalität und Lebensfreude zu sein scheinen; die Alten, die auf Kreuzfahrtschiffen eine fröhliche, unternehmungslustige Mehrheit bilden; die Alten, die in Ehrenämtern und Vereinen die Aktivposten gesellschaftlichen Engagements darstellen; die Alten, die der jüngeren Generation ein Erbe vermachen, das sich in einem reich gewordenen Deutschland nicht nach Milliarden, sondern in seinem Gesamtvolumen nach Billionen bemisst.

Natürlich kommen diese Altersbilder der heutigen Wirklichkeit näher. Aber auch sie beschreiben nur Ausschnitte aus der Realität, sind ebenfalls Stereotypen, die ein Abbild der Wahrheit nicht beanspruchen können. Vor allem aber: Woher kommen diese Bilder eigentlich? Worüber sprechen wir, wenn wir vom Alter reden? Von dessen Wirklichkeit oder von dem, was öffentlich über das Alter gesagt wird, von der Vermittlung in den Medien, in Filmen, in der Literatur? Das eine ist das Alter selbst, das andere sind die Erzählungen vom Alter, das Narrativ.“


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