Datum/Uhrzeit
30. März 2015
19:00 Uhr
Ländliche Heimvolkshochschule Mariaspring

Thema:
Kein Hüftgelenk für 85-Jährige?
Zur Diskussion um die Altersrationierung medizinischer Versorgung

Referent:
Dr. Mark Schweda
Universitätsmedizin Göttingen
Ethik und Geschichte der Medizin

Der Vorsitzende der Jungen Union erklärte 2002 in einem Interview, er halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidar­gemeinschaft bekämen.

Die dadurch angestoßene kontroverse Debatte um die Altersrationierung, also die alters­abhängige Begrenzung medizinischer Versorgung, erscheint im Rückblick symptomatisch für viele der gegenwärtigen politischen und öffentlichen Auseinandersetzungen rund um Alter und Altern: Einerseits lässt der demographische Wandel das Thema zunehmend ins öffentli­che Bewusstsein und in den Mittelpunkt gesellschaftlicher und politischer Diskussionen treten. Andererseits aber wird es dabei vorrangig im Lichte konkreter praktischer Probleme betrachtet, etwa solcher der Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme.
Auf diese Weise finden oft fragwürdige Annahmen und negative Vorurteile bezüglich des Alterns und alter Menschen ohne weitere Prüfung Eingang in die Diskussion.

Der Vortrag setzt sich vor diesem Hintergrund mit der medizinethischen Diskussion um die Altersrationierung auseinander.
Er beleuchtet die sozial­politischen Vorannahmen und Zusam­menhänge der Debatte und nimmt prominente Argumente, die zu Gunsten einer solchen Maßnahme angeführt werden, genauer unter die Lupe.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den jeweils vorausgesetzten Altersbildern.
Wie sich zeigen wird, lässt sich die berechtigte Frage der gerechten Mittelverteilung im Gesundheitswesen nicht angemessen diskutieren, ohne sich darüber zu verständigen, wie wir eigentlich alt werden wollen und welche Rolle die Medizin dabei spielen soll.

Es bleibt Zeit für eine Diskussion.

Abendkasse: 2,- Euro
Keine Anmeldung erforderlich.